Sri Lanka: Unbekannte Strände und “Waldmenschen”

Sri Lanka: Unbekannte Strände und "Waldmenschen"

„Ayubowan – Herzlich Willkommen!“ heißt es heute bei Ankunft auf Sri Lanka anstelle von „Welcome“. Darin widerspiegelt sich bereits eine neue touristische Kultur und ein neues Selbstbewusstsein auf der Tropeninsel Sri Lanka, der „Perle im Indischen Ozean“. Die Insel setzt nunmehr zunehmend auch auf qualitativ hochwertige Tourismusangebote abseits des pauschalen Badeerlebnisses in den großen Strandhotels.

Mein letzter Besuch im April 2013 auf dieser sehenswerten Insel mit ihren vielen Gesichtern war meine bisher schönste und umfassendste Reise dorthin und führte mich auch auf bisher wenig bekannten Wegen entlang der Ostküste, durch die zentrale Bergwelt bis in den Süden und an der Westküste entlang zurück nach Colombo.

Gespannt war ich natürlich auf die viel beschriebenen Sandstrände an der Ostküste bei Trincomalee und Passekudah. Und ich wurde nicht enttäuscht! Besonders beeindruckend fand ich die fast leeren, breiten und langen Strände außerhalb von Trincomalee mit dem vorgelagerten Schnorchelparadies Pigeon Island National Park. Neben den Stränden sind das holländische Fort Frederick von 1675 und das Shiva-Heiligtum Thiru Koneswaram Kovil (Tempelbesuche sollten nach Möglichkeit immer zu den Zeiten der Puja-Zeremonien eingeplant werden), beide hoch oben auf einem Felsen über der Bucht von Trincomalee thronend, die einzigen Sehenswürdigkeiten in der Stadt mit dem weltgrößten Naturhafen.

Die einladende und feinsandige Bucht von Passekudah bietet einige sehr schöne Luxushotels. Die touristische Infrastruktur entlang der ländlichen Ostküste entwickelt sich nach dem Ende des Bürgerkrieges 2009 und den Zerstörungen des Tsunami von 2004 wieder spürbar. In dieser Region entstanden attraktive neue Hotels direkt an den Stränden und Buchten. Gleichzeitig hat ein neuer Bauboom eingesetzt, wobei in den meisten Fällen kleinere Hotels entstehen. Was derzeit noch fast komplett fehlt, ist eine touristische Infrastruktur mit Restaurants und Geschäften im Umfeld der Hotels.

Während die Fahrt an die Ostküste über Anuradhapura und Dambulla über gute und teilweise neue Straßen geführt hatte, holte mich auf der Strecke von Passekudah ins Inselinnere nach Kandy dann das „normale Straßenabenteuer“ ein. Die Entfernungen zwischen den Orten mit ihren Sehenswürdigkeiten in Sri Lanka sind zwar in Kilometern gemessen nicht sehr groß, allerdings befinden sich viele Straßen (oder Teile davon) in einem sehr schlechten Zustand. Bei der Planung einer Tour, besonders abseits der Hauptstraßen, muss man für 20 bis 30 Kilometer oft 1 Stunde einrechnen und eine Fahrstrecke von 200 bis 300 km kann zu einer Herausforderung für einen ganzen Tag werden. Der Blick auf eine Autokarte wird oft nur eine grobe Orientierung sein, denn Straßen mit gleicher Klassifizierung können eine völlig unterschiedliche Qualität aufweisen. Trotzdem gehörten gerade diese Reiseabschnitte immer wieder zu den interessantesten. Der Weg nach Kandy führte die ersten 50 Kilometer etwa 2 Stunden lang über eine wahre Löcherpiste entlang alter Alleen durch stille, ländliche Gebiete der Küstenebene. Vorbei an Dörfern, die für Tsunami-Opfer errichtet wurden, und vorbei an völlig zerschossenen Häusern, Relikten aus der Zeit des Bürgerkrieges. Neu erbaute Dörfer mit modernen Brunnen künden vom Ende des Krieges. Auf kleinen künstlichen Seen und Wasserbecken versuchen Fischer ihr Glück und in den Graslandschaften weiden große Kuhherden. Weit in der Ferne rahmen verschiedene Bergrücken dieses Landschaftsbild ein.

Gewiss, ich hatte schon von den Veddahs (Jäger) oder Wanniyala-Aetto (Waldmenschen) gehört, die als Jäger und Sammler in den Urwäldern leben und als Ureinwohner Sri Lankas gelten. Die „Waldmenschen“ aber einmal selbst zu treffen, hatte ich nicht erwartet.
Nach Ansicht von Anthropologen stammen die Veddhas ursprünglich aus Indien oder Südostasien. Heute gibt es noch ungefähr 2000 Ureinwohner. Noch kleiner ist die Anzahl derer, die sich selbst als Veddhas sehen und bis heute ein naturverbundenes Leben als Jäger und Sammler führen.

Beim Dorf Dambana geht es zunächst eine schmale Dorfstraße und dann einen Waldweg entlang. Mein Fahrer Mahindra muss mehrmals nach dem Weg fragen. Auf einem Parkplatz warten wir dann ab, ob ein Veddah Zeit hat, uns in die Siedlung im Wald zu führen. Ein kräftiger, Betelnuss kauender Stammesangehöriger hat dann Zeit und zu Fuß geht es ca. 20 Minuten einen Waldweg entlang. Auf einer Lichtung tauchen dann ein paar Strohhütten auf. Eine davon ist bis unters Dach vollgestopft mit Behältnissen voller verschiedensten Früchte und Gräser des Waldes. Es ist die „Zentralapotheke“ des Dorfes. Unweit der Apotheke sitzt auf einer schattigen Terrasse ein stattlicher alter Guru mit weißem Bart, der von zahlreichen Rat suchenden Besuchern umringt ist. Auf einem Wandbrett befindet sich eine große Anzahl von Dosen und Flaschen mit allerlei Tinkturen und Pülverchen. Inzwischen sind noch zwei, mit Streitaxt und Pfeil und Bogen bewaffnete Veddhas zu uns gekommen, mit denen wir uns auf den Weg zu einer Waldlichtung machen. In der Mitte der Lichtung befindet sich eine Feuerstelle. In den Bäumen entdecken wir in luftiger Höhe offene Baumhäuser, die eigentlichen Wohnstätten der Veddhas. Nun wird von den 3 Veddhas demonstriert wie mit Steinen Feuer gemacht, das Baumhaus erklettert, mit der Axt geworfen und der Bogen zur Jagd gespannt wird. Ich konnte den Bogen nur mit großer Mühe ein Stück weit spannen, war also jagduntauglich! Das Feuer konnte ich aber entfachen, immerhin ein Anfang…

Und nächste Woche berichte ich dann an dieser Stelle über Sri Lankas Berglandschaften und eine Hochkultur des Tees. Bis dann!

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Dr. Uwe Kolwazick

Indonesien habe ich inzwischen über zwanzig mal bereist! Java, Sumatra, Sulawesi, Flores, Komodo & Rinca, Lombok & Gili Inseln, Sumba und Sumbawa waren meine Ziele. Und natürlich habe ich die Insel Bali – meine heimliche Liebe – in ihrer Veränderung erlebt. Als zuständiger Produktmanager bin ich auch gerne auf der vielseitigen Insel Sri Lanka und im Oman unterwegs. Nachhaltig beeindruckt haben mich meine Reisen in China und Tibet, Myanmar, Indochina, Australien und Marokko. Als außergewöhnliche Erlebnisse bleiben mir ein Besuch in Nordkorea und Segelfahrten durch den Komodo-Nationalpark in Erinnerung.

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