Kambodscha: Die Urwaldtempel nördlich von Angkor (Teil 1)

Preah Vihear

Das Tempelareal in Angkor ist beindruckend, überwältigend, ein touristischer Hotspot eben! Ein Muss für alle Weltenbummler! Aber zuweilen nervt der Touristenrummel, man sehnt sich sehr bald nach Abgeschiedenheit, Ruhe und Beschaulichkeit.

Kein Problem: Unsere Traumziele befinden sich diesmal nördlich von Angkor. Eine kaum vorhandene bzw. fehlende Infrastruktur hat uns bisher davon abgehalten, diese Gegend mit ihren einmaligen Kulturschätzen zu erkunden. Heute ist der Weg in Richtung thailändische Grenze gut befahrbar.

Die ehemalige Khmer-Hauptstadt Koh Ker

Etwa 120 Kilometer von Angkor entfernt befinden sich die Überreste einer ehemaligen Hauptstadt des Khmer-Reiches, versunken im Dschungel: Koh Ker. Die Auswertung von Satellitenbildern hat ergeben, dass sich auf einer Fläche von 80 Quadratkilometern die Reste von ca. 180 Tempeln befinden. Davon sind ca. 30 Anlagen freigelegt, aber lediglich etwas mehr als 10 Monumente können gegenwärtig gefahrlos besichtigt werden. Noch verhindern nicht geräumte Minen den kompletten Zugang.

Der Zauberwald von Prasat Pram

Gleich die erste Besichtigung ist der Hammer, versetzt uns in eine Märchenwelt… „Prasat Pram“ – die „Fünf Türme“ – sind vollständig von Baumwurzeln umschlungen. Die Kulisse lässt das Bild vom Zauberwald entstehen. Zumal wir gerade die einzigen Besucher auf dem Gelände sind. Das Ganze erscheint surreal.

Koh Ker Prasat Pram

Die Tempelpyramiden von Prasat Thom

Die größte Anlage in der „Stadt des Ruhmes“ oder „Stadt des Linga“ ist der 35 Meter hohe Tempelberg von „Prasat Thom“. Sieben Stufen verleihen dem Khmer-Monument eine gewisse Ähnlichkeit mit den Tempelpyramiden der Maya. Prasat Thom gehört zu den wenigen Anlagen mit einem linearen statt konzentrischem Grundriss.

Koh Ker Prasat Thom  Koh Ker Prasat Thom

Die Tempelhöfe sind hintereinander angeordnet. Der heiligste Hof liegt am hinteren Ende und nicht wie zumeist in der Mitte von ineinander geschachtelten Höfen. Nach diesem Muster wurde ein halbes Jahrhundert später auch der bekannte Khmer-Tempel Banteay Srei errichtet.

Koh Ker Prasat Thom

Hoch hinaus zum Preah Vihear

Damit sind wir gut eingestimmt auf unser nächstes Ziel. Nach 2 Stunden Fahrtzeit erreichen wir Preah Vihear, den berühmtesten Linear-Tempel der Khmer direkt an der thailändischen Grenze gelegen.

Nicht nur Kunstkenner schätzen die gut erhaltenen Basreliefs und die speziellen Fensterstürze.

Preah Vihear Basreliefs  Preah Vihear Basreliefs

Die mittelalterliche Anlage thront spektakulär auf einem 525 m hohen Felsen. Baumaßnahmen zur Errichtung der „Heiligen Stätte“ sollen bereits im 9. Jahrhundert, vor Gründung des Angkor-Reiches, begonnen haben. Die heute erhaltene Substanz stammt jedoch hauptsächlich aus der Blütezeit von Angkor, aus dem 11. Und 12. Jahrhundert. Das Bergheiligtum war dem Hindu-Gott Shiva gewidmet.

Als ein Schlüsselbauwerk im Zentrum des Khmer-Königreiches wurde der Bergtempel über Jahrhunderte durch die Khmer-Herrscher verehrt und gefördert. So erklären sich auch die unterschiedlichen architektonischen Stile.

Preah Vihear  Preah Vihear

Am Fuße des heiligen Berges müssen wir das Fahrzeug wechseln. Obwohl die Straße zum Tempel relativ neu und gut ausgebaut ist, braucht es ein geländegängiges Fahrzeug mit Allradantrieb, um die steilen Anstiege zu meistern. Die letzten Meter auf der Felsklippe gehen wir zu Fuß vorbei an Verkaufsständen zum Eingang der Anlage. Lediglich eine Handvoll Touristen ist an diesem Nachmittag auf dem Berg.

Eine friedliche und beschauliche Stimmung lädt zum Verweilen ein.

Preah Vihear  Preah Vihear Kind mit Handy

Als wir den Eingang erreichen, werden wir sofort an den Tempel Wat Phou bei Champasak in Süd-Laos erinnert, die gleiche lineare Anordnung der Tempel und der Aufstieg zum Hauptheiligtum. Preah Vihear ist landschaftlich aber noch spektakulärer, da das Ende des 800 Meter langen heiligen Pfades über Treppen auf verschiedene Ebenen und durch fünf Eingangspavillons (Gopuras) über einem Steilhang endet.

Von hier aus hat man einen atemberaubenden Blick nach Süden über die Kambodschanische Ebene.

Preah Vihear Ende des Heiligen Pfades Preah Vihear Bernd und Ausblick vom Tempel

Beim Abstieg haben wir gute Sicht auf die nahegelegene thailändische Seite der Grenze. Im Februar 2011 eskalierte der Grenzkonflikt um das Heiligtum zwischen den Nachbarstaaten. Es gab Todesopfer auf beiden Seiten. Heute erinnern lediglich von Grün überwucherte MG-Stellungen an die militärischen Kampfhandlungen. Unser Reiseleiter aus Siem Reap ist 2018 schon mehrere Male hier unterwegs gewesen. Er geht von einer weiteren Zunahme der Besucher aus. Die Gefahr von neuen bewaffneten Auseinandersetzungen sieht er gegenwärtig nicht.

Am Ende des Tages

Die Übernachtung haben wir im „Preah Vihear Boutique Hotel“ gebucht, ca. 20 Kilometer vom Tempelberg entfernt. Nach dem anstrengenden Tag sind wir froh über den gebotenen Komfort und sehen über die Mängel des Hotels großzügig hinweg.

Preah Vihear Boutique Hotel

Uns bewegt schon die Frage, was uns auf der nächsten Station erwarten wird. Dann übernachten wir nämlich in einem „homestay“ auf dem Lande. Eine Übernachtungsmöglichkeit bei den Einheimischen, die in Asien zunehmend populärer wird.

Wie es mit meiner Reise nördlich von Angkor weitergeht lesen Sie im zweiten Teil meines Reiseberichts.


Die in diesem Beitrag beschriebenen Besichtigungen sind u.a. Teil unseres 4-Tage-Programms „Die Urwaldtempel nördlich von Angkor“.

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Dr. Bernd Jordan

Für EAT erkunde ich am liebsten neue Reiseziele. In jüngster Zeit haben mich besonders die wilde Gebirgslandschaft im Norden von Laos, in Myanmar das Tempelfeld von Mrauk U und die Region südlich von Yangon beeindruckt. Großes Potenzial für alle Entdecker haben die Regionen Mondulkiri und Rattanakiri in Kambodscha. Wer von Phnom Penh nach Angkor will, sollte unbedingt den Landweg über Battambang wählen und von dort mit dem Boot über den Tonle Sap schippern. Hier findet man zwischen zwei touristischen Hotspots noch das ursprüngliche Asien und seine liebenswerten Menschen.