Vientiane: Asiens entspannteste Hauptstadt

Patuxai

Viele asiatische Hauptstädte sind groß, laut und geschäftig – denken wir nur an Tokio, Peking, Bangkok oder Kuala Lumpur. Es gibt aber auch Ausnahmen und eine dieser Ausnahmen ist Vientiane. Die Hauptstadt von Laos mit nur knapp 500.000 Einwohnern ist der Gegenentwurf zu Asiens modernen Metropolen und Megacities. Hier teilen sich knatternde Motorroller die Straßen mit freilaufenden Hühnern und generell ist das Leben locker und entspannt.

Verglichen mit anderen asiatischen Hauptstädten reisen relativ wenige Besucher nach Vientiane. Nicht, weil es hier nichts zu sehen gäbe. Im Gegenteil, Vientiane hat einiges zu bieten!

Quirlige Märkte, skurrile Museen, traditionelle Holzhäuser, dampfende Garküchen und stets freundliche Menschen gehören ebenso zu Vientiane wie imposante buddhistische Tempel, prunkvolle Kolonialvillen im französischen Stil und nicht zuletzt der majestätische Mekong.

Buddha in Vientiane

Eine ungewöhnliche Stadt mit ungewöhnlichem Namen

Vientiane. Wer vermutet, dass das kein typisch asiatischer Name ist, der liegt ganz richtig. Die Hauptstadt von Laos hieß auch nicht immer so. Einst hieß die Stadt am Mekong Vieng Chan und war ein prächtiges Handelszentrum. Ende des 19. Jahrhunderts war davon nach diversen Eroberungen, Plünderungen und natürlichem Verfall nicht mehr viel übrig.

Bis Frankreich in diesem Zeitraum Indochina kolonialisierte und Vieng Chan zu seinem kolonialen Verwaltungssitz machte. Die Kolonialmacht investierte in Infrastruktur, in aufwendige Restaurierung alter Gebäude und drückte der asiatischen Stadt dabei ihren eigenen Stil auf – und machte kurzerhand aus Vieng Chan „vereinfacht“ Vientiane. Inzwischen ist Laos unabhängig, der französische Name seiner Hauptstadt aber blieb bestehen.

Pha That Luang: Der ganze Stolz des Landes

Laos ist ein buddhistisches Land und religiöse Traditionen sind immer noch fest in der Bevölkerung und im Tagesablauf verankert. So machen sich jeden Morgen dutzende Mönche auf den Weg zum goldenen Stupa Pha That Luang, dem Nationalsymbol des Landes, das zum Beispiel das Staatswappen von Laos ziert.

Pha Tat Luang

Die Mönche gehen durch die kleinen Straßen, entlang rustikaler Holzhäuser und kleiner Gärten. Am Straßenrand warten Frauen in traditionellen laotischen Gewändern und reichen den Mönchen Obst, Fisch oder Körbe voll Reis.

Die „Speisung der Mönche“ auf ihrem Weg zum Stupa ist ein festes Ritual. Die dadurch zum Ausdruck gebrachte Wohltätigkeit wirkt sich positiv auf das Karma aus, deshalb sind die Gaben auch bei bescheidenem Lebensstandard meist üppig.

Pha Tat Luang und Buddha

Der 45 Meter hohe Stupa aus dem 16. Jahrhundert ist das Ziel der Mönche. Und auch das Ziel vieler Besucher Vientianes, denn kaum einer lässt sich das vergoldete Heiligtum entgehen, das besonders im Morgen- und Abendlicht wahrlich spektakulär aussieht. Eroberungen, Plünderungen und ein Blitzeinschlag hatten dem Stupa im Laufe der Jahre stark zugesetzt. Im Auftrag der Kolonialregierung wurde der Stupa aber aufwendig und originalgetreu restauriert. So erstreckt er sich damals wie heute auf drei Terrassenebenen, die von großen stilisierten Lotusblüten gestützt werden. Auf der Spitze thront eine stilisierte Bananenblüte, typisch für laotische Heiligtümer. Ursprünglich säumten vier Tempel den Stupa in jeder Himmelsrichtung. Heute existieren nur noch zwei davon. Im Wat That Luang Tai befindet sich ein großer, liegender Buddha, der mir all seinem Gold und seinen detailreichen Verzierungen ebenfalls wunderschön anzusehen ist.

Patuxai: Ein Triumphbogen umgeben von Tuk Tuks

Eine weitere Sehenswürdigkeit Vientianes ist der Patuxai, eine Art asiatische Version des Pariser Arc de Triomphe. Er steht inmitten eines sehr großen, belebten Kreisverkehrs, zugegeben ein sehr schöner Kreisverkehr mit gepflegter Gartenanlage und Springbrunnen, der sogar zum Verweilen einlädt, während Motorräder und Tuk Tuks ihre Runden drehen.

Auch wenn man es rein optisch annehmen könnte, das monumentale Denkmal entstand nicht während der französischen Kolonialzeit, sondern wurde zwischen 1957 und 1968 als Symbol der Unabhängigkeit von Frankreich erbaut.

Patuxai

Mit fünf Zuckerbäckertürmchen, aufwendigen Deckenmalereien und mythologischen Skulpturen ist der Patuxai ein beliebtes Fotomotiv. Die fünf Türme stehen übrigens für fünf Maxime internationalen Zusammenlebens, nämlich Freundlichkeit, Flexibilität, Ehrlichkeit, Würde und Wohlstand. Es gibt insgesamt sieben Etagen in dem 49 Meter hohen Bogen, die Verwaltungsbüros, kleine Geschäfte, ein Museum und eine Aussichtsplattform beherbergen, von der aus man einen tollen Blick über ganz Vientiane hat.

Wat Si Saket: Ein neues Zuhause für heimatlose Buddhas

Wat Si Saket

In der Nähe des Mekongufers, unweit des Präsidentenpalastes, liegt der buddhistische Tempel Wat Si Saket. Er ist der älteste erhaltene Tempel von Vientiane und auch der einzige, der über die vielen Jahre nahezu unversehrt blieb. Die wunderschön gepflegte Gartenanlage mit vielen Bäumen und Palmen hat etwas Beruhigendes.

Wat Si Saket Gartenanlage

Aber das eigentliche Highlight wartet im quadratischen Wandelgang. Hier können tausende Buddhastatuen und -figuren aus Bronze, Keramik, Stein, Metall und Holz bestaunt werden, die zum größten Teil aus zerstörten oder verfallenen Tempeln und Klosteranlagen des ganzen Landes stammen. In Wat Si Saket finden sie ein neues Zuhause.

Wat Si Saket Buddhas

Abends am Mekong

Die Abendstunden in Vientiane genießt man am schönsten am Mekongufer. In der sonst vergleichsweise ruhigen Hauptstadt blüht abends am Fluss das Leben auf. Dann gibt es hier zum Beispiel öffentliche Sportkurse an der Uferpromenade und ab 18 Uhr einen großen Nachtmarkt mit vielen kulinarischen Versuchungen. Empfehlenswert sind typisch laotische Gerichte wie Tam Mak-Hung (Salat aus grünen Papayas), Larb (Hackfleischsalat) oder Ping Kai (gegrilltes Hühnchen). Am besten schmeckt das Essen, wenn man es am Flussufer verspeist während über dem Mekong, der „Lebensader Asiens“, die Sonne langsam untergeht. Ein unvergesslicher Moment in einer einzigartigen asiatischen Hauptstadt.

Sonnenuntergang am Mekong

Überzeugen Sie sich selbst davon, wie anders Vientiane im Vergleich zu anderen asiatischen Metropolen ist, und reisen Sie mit uns nach Laos, das bis heute das am wenigsten bekannte und touristisch erschlossene Land Indochinas.

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Mandy Pjede

Reisen ist mein Lebenstraum und so höre ich von Freunden oft „Du bist ja nie da!“. In den vergangenen 10 Jahren bei EAT habe ich einige Abenteuer vor allem in „meinen Ländern“ Myanmar und der Region Indochina erlebt. In besonderer Erinnerung behalte ich z.B. die rutschige Wanderung im Regenwald von Nordlaos, die Ballonfahrt über Bagan oder auch das „Hinter-den-Ohren-Waschen“ der Elefanten im „Elephant Hills“.

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