Reisterrassen in China: Lebensgrundlage und Naturschauspiel

Hani Reisterrassen

Reis ist das Grundnahrungsmittel Asiens und gleichzeitig eines der wichtigsten Kulturgüter des Kontinents. In einigen asiatischen Ländern, etwa in Thailand und Laos, ist das jeweilige Wort für Reis gleichbedeutend mit Essen oder Mahlzeit. In China und Japan bezeichnet man Frühstück und Abendessen als „Morgen- und Abendreis“. In der Tat ist Reis aus der asiatischen Küche nicht wegzudenken!

Jährlich werden rund 750 Millionen Tonnen Reis produziert, ein Großteil davon in China. 80% dieser Welternte werden durch Nassreisanbau erzeugt. Dieser Anbau ist sehr arbeits- und wasserintensiv. Außerdem ist großes Know-how wichtig, denn fließt das Wasser zu schnell durch die Reisfelder, werden wertvolle Bodennährstoffe abgeschwemmt; fließt es hingegen zu langsam, bilden sich schädliche Algen.

Über Jahrhunderte, gar Jahrtausende haben chinesische Reisbauern verschiedene Verfahren dahin gehend entwickelt und Anbausysteme perfektioniert. Ein solches System sind die sogenannten Reisterrassen.

Sie erstrecken sich wie dicht gewebte, farbig schattierte Teppiche über die Landschaft und bilden, neben ihrem offensichtlichen Nutzen für den Reisanbau, traumhafte Naturschauspiele. Besonders zu Sonnenaufgang und während der Dämmerung bieten sich den Besuchern der Terrassen atemberaubende Fotomotive.

Wir stellen Ihnen nachfolgend zwei der schönsten und berühmtesten Reisterrassen Chinas näher vor.

Hani Reisterrassen

Die Honghe Hani Reisterrassen (oft auch „Reisterrassen von Yuanyang“) sind seit 2013 offiziell anerkanntes UNESCO-Weltkulturerbe und liegen in der Provinz Yunnan nahe der vietnamesischen Grenze. Den Reisanbau auf den Terrassen in dieser Region verantwortet das Hani Volk, eine der ethnischen Minderheiten Chinas. Und das schon seit etwa 1.300 Jahren!

Das Hani Volk ist sehr spirituell und achtet in allem auf eine natürliche und nachhaltige Balance zwischen Natur und Mensch. So auch beim Reisanbau, der für sie weit mehr als nur Nahrungssicherung bedeutet. Fast schon poetisch bezeichnen die Hani ihre Reisterrassen als „Leitern zum Himmel“.

Die Hani Reisterrassen gelten als die größten Reisterrassen der Erde. Sie erstrecken sich über 12.000 Hektar, sind bis zu 1.500 Meter hoch und haben teilweise bis zu 75 Grad Steigung.

Das ausgeklügelte Bewässerungssystem dieser Reisterrassen gilt als technisch-architektonische Meisterleistung. Dadurch können sowohl natürliches Regenwasser als auch unterirdische Quellen zur Bewässerung der Reisfelder genutzt werden.

Was man vielleicht nicht vermuten würde: Die Reisterrassen eignen sich nicht nur für den Reisanbau. Die Hani betreiben in den natürlichen Wasserbecken auch Fischzucht, die symbiotisch wiederum eine düngende Wirkung für den Reis hat.

Unsere 13-tägige Rundreise „Südlich der Wolken: Glanzlichter Yunnans“, die 7-tägige Länderkombination „Von Südchina nach Nordvietnam“ oder der 4-tägige Reisebaustein „In den Süden Yunans“ führt sie unter anderem zu genau dieser einzigartigen Landschaft Yunnans. Erleben Sie einen spektakulären Sonnenaufgang über den Hani Reisterrassen, wandern Sie durch die Terrassen zu einem traditionellen Dorf und begegnen Sie den Einheimischen und ihrer Kultur hautnah.

Longsheng Reisterrassen

Die Reisterrassen von Longsheng liegen rund 100 Kilometer nordwestlich der südchinesischen Stadt Guilin. Sie wurden vor etwa 800 Jahren von der Yuan Dynastie angelegt und seitdem von Reisbauern der ethnischen Minderheit der Yao gepflegt, die sie aufgrund der Struktur „Terrassen des Drachenknochens nennen“.

Die Yao sind vor allem für ihre farbenfrohe Tracht, ihren aufwendig gefertigten Schmuck und die unendlich langen Haare (durchschnittlich 1,50 Meter lang) der Yao-Frauen bekannt ist. Lange Haare gelten als Symbol für Langlebigkeit, Wohlstand und Glück. Mädchen lassen ab dem 13. Lebensjahr ihre Haare wachsen. Sie werden nur noch einmal zu ihrem 16. Geburtstag im Rahmen einer Reifezeremonie geschnitten. Mit einer speziellen Tinktur, die unter anderem Wasser der Reisterrassen enthält, werden die Haare gepflegt. Bis ins hohe Alter haben die Yao-Frauen dadurch seidig glänzende, schwarze Haare.

Die Longsheng Reisterrassen an den Hängen der Berge sind bis zu 900 Meter hoch mit einer Steigung von bis zu 50 Grad. Die Wälder auf den Berghängen sind ideale Wasserspeicher, die die Terrassen durch ein ausgeklügeltes System mit Feuchtigkeit versorgen.

Die Longsheng Reisterrassen eignen sich ganzjährig für einen Besuch, denn alle vier Jahreszeiten bieten unterschiedliche, aber gleichermaßen spektakuläre Naturschauspiele. Im Frühjahr taucht die umliegende Rapsblüte die Reisterrassen in ein leuchtendes Gelb. Das viele Wasser der Setzlingspflanzung erzeugt außerdem beeindruckende Spiegeleffekte. Im Sommer strahlen die Terrassen in sattem Grün. Erneut Gelb leuchtet es im Herbst, wenn der goldene Reis zum Ernten bereit ist. Im Winter können die Longsheng Reisterrassen schneebedeckt sein.

Unsere viertägige Tour „Reisterrassen, Trommeltürme & Wind- und Regenbrücken“ führt Sie unter anderem nach Longsheng zu den meisterlichen Reisterrassen. Vom Aussichtspunk der „Neun Drachen und Fünf Tiger“ in Ping An haben Sie einen unvergesslichen Ausblick über das Gebiet.

Übrigens: Nicht minder spektakuläre Reisterrassen können Sie bei unseren Touren in die Region Banaue im Norden der philippinischen Insel Luzon oder bei unseren Rundreisen und Ausflugsprogrammen auf Bali erleben!

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Dr. Birgit Peschke

Ja, Korea gilt meine Liebe, aber auch an Japan habe ich einen Narren gefressen! In den Neunzigern war ich fast ausschließlich mit Chinareisen zugange, bis der große Einschnitt im Jahre 2003 in Gestalt der Sars-Epidemie die Reisewelle ins Land der Mitte unterbrach. Auf einmal hatten wir viel Zeit, die ich u.a. wieder für Reisen nutzte. Hongkong, Taiwan, Thailand – und Indien standen auf dem Programm. Seitdem haben wir Indien in unserem Portfolio. Unvergessen die ekstatischen Feiern zur Kumbh Mela in Haridwar im April 2010. Aber auch der Besuch im Goldenen Tempel in Amritsar im Oktober 2015 hat mich tief beeindruckt…

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