Reisen auf Borneo: Meeresschildkröten in der Sulusee und Zwergelefanten am Kinabatangan (Teil 2)

Kelananap Oxbow Lake

Unser Frühflug um 07:00 Uhr ab Kota Kinabalu nach Sandakan hat uns eine üppige Frühstücksbox des Hotels „Grandis“ beschert, die wir nach all den Hotelbesichtigungen von gestern noch etwas verschlafen und mit einem „heißen Schwarzen“ von McCafé auf dem Kota Kinabalu International Airport vertilgen. An frühes Aufstehen sollte man sich bei Rundreisen auf Borneo übrigens gewöhnen, weil man oft nur so seine Borneo-Reisen günstig planen und arrangieren kann.

Wir landen nach nur 40 Minuten Flugzeit in Sandakan und haben den ganzen Tag im äußersten Nordosten Borneos noch vor uns. Hier wollen wir unser 4-Tage-Programm „Sandakan Wildlife Safari“ nun selbst einmal auf Herz und Nieren testen!

Der Minibus unserer Partneragentur und einige Mitreisende aus Australien und London warten schon auf uns, als wir aus dem Flughafengebäude kommen, wo wir noch kurz den – zum Glück geringen – Schaden begutachtet hatten, den Elkes auf dem Flug explodiertes Haarspray in meinem Koffer angerichtet hatte…

Die Fahrt ins Zentrum von Sandakan dauert nur wenige Minuten und wir haben noch ein Stündchen Zeit für einen Bummel zur Uferpromenade und für Einkäufe im chinesischen Supermarkt, der schon vor allen anderen Geschäften geöffnet hat. Nur wenige Meter sind dann noch von unserem Treffpunkt am „Sandakan Hotel“ bis zum Bootsanleger nahe „Sandakan Yacht Club“ zu fahren. Unsere großen Koffer lassen wir zur Aufbewahrung im Partnerbüro einfach im Auto, so dass wir um 09:30 Uhr nur mit leichtem Gepäck für eine Inselübernachtung an Bord des Schnellbootes gehen können. Etwa eine Stunde lang werden wir von den Wellen kräftig durchgeschüttelt und das Boot bringt uns zur „Schildkröteninsel“ Selingan in der Sulusee.

Speedboot nach Selingan

Nach dem Anlegen auf Selingan Island stapfen wir durch tiefen Sand in Richtung Hauptgebäude des kleinen Resorts. Gut, dass wir das große Gepäck nicht dabei haben! So können wir entspannt erste Spuren von Schildkröten im Sand und tiefe Löcher von verwaisten Nestern zur Kenntnis nehmen. Nach dem Erhalt von allerlei Informationen zum weiteren Programmablauf und der Vermittlung von vielen (verständlichen) Verhaltensregeln beziehen wir unser einfaches Zimmer in einem der drei Chalets mit jeweils mehreren Wohneinheiten. Die Zimmer haben inzwischen alle eigene kleine Badezimmer mit Dusche und WC. Die noch immer durch das Internet geisternden Gemeinschaftsbäder und -toiletten gehören also definitiv der Vergangenheit an!

Chalet auf Selingan

Strand Selingan

Der Nachmittag bis zum Einbruch der Dämmerung steht uns zum Faulenzen und Schwimmen am sehr schönen und sehr einsamen Strand der kleinen Insel (Umrundung in einer halben Stunde kein Problem!) zur Verfügung. Man kann hier auch Maske und Schnorchel ausleihen. Beim Dösen am Strand entdecken wir die Soldaten des kleinen Militärpostens, die die Insel und das Meer ringsum genau im Auge behalten. Durch den Militärposten und die gut sichtbaren philippinischen Inseln am Horizont kommt uns jetzt wieder in den Sinn, dass das Auswärtige Amt derzeit ja eigentlich von Reisen im Seegebiet zwischen den Süd-Philippinen und Sabah abrät…

Vor dem Abendessen (serviert werden hier einfache und leider weitgehend geschmacklose Mahlzeiten in Buffet-Form) sehen wir ein Video zum Schildkröten-Schutzprogramm und besuchen die Ausstellung im Obergeschoss des Hauptgebäudes mit Speisesaal und kleinem Hotelshop. Dann heißt es warten, bis die Schildkröten kommen.

Wir haben Glück, denn schon vor 22:00 Uhr melden die Ranger eine erste Meeresschildkröte, die an Land gegangen ist.

Wir werden zur entsprechenden Stelle geleitet und ich bin angenehm überrascht, dass sich während der Eiablage alle Gäste an die Spielregeln halten. Kein Fotoblitz leuchtet auf! Der Anblick der Schildkröte, der vor Anstrengung scheinbar die Augen tränen, und die dann „stöhnend“ beginnt, Sand auf ihr Gelege zu scharren, ist durchaus ein ganz spezielles Erlebnis.

Selingan Schildkroete Eiablage

Wir folgen nun dem Ranger, der das frische Gelege vor Fressfeinden geschützt an einem speziellen Brutplatz („hatchery“) vergräbt, nicht ohne vorher Anzahl, Legedatum und Muttertier der Eier zu registrieren. In einem anderen Gelege des Brutplatzes sind die Babyschildkröten schon im Laufe des Nachmittags geschlüpft und haben sich selbstständig aus der Bruthöhle ans Tageslicht gegraben. Nun bekommen Sie einen bequemen Wäschekorb-Shuttle an den Strand!

Kaum freigelassen folgen sie ihrem Instinkt und stolpern ungeschickt, aber dennoch schnell ins Wasser. Schon bald sind sie im dunklen Meer verschwunden. Etwa 1 Prozent von ihnen wird überleben und als ausgewachsenes Tier selbst zur Eiablage hierher kommen. Wir können nur hoffen, dass der Mensch bis dahin das Habitat dieser beeindruckenden Tiere bewahrt hat!

Natürlich ist uns bewusst, dass touristisch geprägte Einrichtungen wie diese „Schildkröteninsel“ sehr kontrovers diskutiert werden. Aber wenn gerade auch asiatische Besucher, in deren Heimatländern Schildkröteneier oft noch heute als Delikatesse geschätzt werden, für das Schicksal dieser Tiere sensibilisiert werden, kann das nicht verkehrt sein. Übrigens darf jede Nacht nur die erste der ankommenden Schildkröten beobachtet werden! Alle anderen bleiben von Touristen völlig unbehelligt.

Am nächsten Morgen geht es bei deutlich ruhigerer See zurück nach Sandakan. Direkt von der Anlegestelle aus machen wir per Bus einen interessanten Abstecher zum Orang-Utan-Rehabilitationszentrum von Sepilok. Dort sehen wir die Fütterung der halbwild lebenden Affen von einer Beobachtungsplattform im Dschungel aus, informieren uns bei einer Video-Präsentation über das Projekt Sepilok und seine Unterstützer und besuchen den „Kindergarten“ für Orang Utans.

Orang-Utan-Zentrum Sepilok

Orang Utan und Borneo, das sind natürlich zwei Begriffe die gerade in der Vorstellung von uns Westlern eng zusammen gehören.

Ich werde später im Bericht zu Sarawak Borneo mehr von den „Menschen des Waldes“ berichten.

Nach einem Mittagessen im Restaurant des Sepilok Nature Resorts fahren wir wieder nach Sandakan und zur Anlegestelle. In rasanter Fahrt bringt uns ein anderes Schnellboot von hier übers Meer nach Osten zur Mündung des Kinabatangan-Flusses und dann flussaufwärts durch endlos scheinende Mangrovenwälder mit zahllosen Nipapalmen am Flussufer. Vereinzelt kommen kleine Siedlungen in Sicht, hauptsächlich ist es nun aber die grüne Wand des Dschungels, an der wir vorüber gleiten. Bemerkenswert finden wir übrigens, dass das Schnellboot bei jedem Passieren von Ansiedlungen die Geschwindigkeit drastisch reduzieren muss, damit auf die Anwohner Rücksicht genommen wird.

Nach 2 ½ Stunden Bootsfahrt sehen wir vor uns das Restaurant der „Sukau Rainforest Lodge“, das als Terrasse direkt über das Flussufer gebaut ist. Die vielfach preisgekrönte Lodge gehört zu den „National Geographic Unique Lodges of the World“ und wurde unter die weltweit „50 Top Jungle Lodges“ gewählt. Nur ein paar Stufen den Bootssteg nach oben gestiegen, schon freut man sich darauf, bald eine erste Mahlzeit auf dieser luftigen Terrasse einzunehmen und den Blick über den Fluss zu genießen. Auf einem gut beplankten Steg („Kari Boardwalk“) gelangen wir nach 60 Metern zum Wohnbereich der Lodge u.a. mit gemütlicher Bar, kleinem Swimmingpool und Minishop. An den Wohnbereich schließt sich eine Info-Gallerie an, von der der „Hornbill Boardwalk“, ein Lehrpfad durch den Dschungel, beginnt. Die geräumigen Zimmer mit Deckenventilator sind richtig gemütlich und bieten viel mehr Komfort, als gemeinhin von einer Dschungellodge zu erwarten ist.

Elefanten am Kinabatangan

Am Nachmittag starten wir zu unserer ersten Safari in kleinen Booten für 8 Gäste. Die Ranger der Lodge haben den Tipp bekommen, dass ein Stück flussabwärts am Ufer des Kinabatangan eine Herde von Borneo-Zwergelefanten gesichtet wurde. Natürlich wollen wir uns das nicht entgehen lassen! Und wir haben richtig Glück: Eine Herde von über 30 Elefanten weidet steuerbords am Ufer und beginnt nach einiger Zeit zu unserer großen Freude, den Fluss zu queren. Den Rüssel aufgestellt wie einen Schnorchel und die Jungtiere sanft vorwärts schiebend schwimmen die Dickhäuter durch den Fluss. Die Bullen halten derweil an beiden Flussufern Wache und dirigieren die Schwimmer mit lauten Trompetenrufen. In unserem kanadisch-britisch-singapurianisch-deutschen Boot sind wir uns schnell einig, dass allein dieses Schauspiel – aus nächster Nähe vom Boot aus beobachtet – die Reise hierher wert gewesen wäre!

Wir genießen dann das rustikale, aber sehr schmackhafte Dinner-Buffet auf der Terrasse der Lodge und lassen den Tag gemütlich bei einem Drink an der Bar ausklingen, während andere Gäste noch zu einer nächtlichen Bootssafari aufgebrochen sind.

Auch der frühe Kaffee ändert nichts daran, dass wir im Morgengrauen des nächsten Tages zunächst noch etwas müde wieder in unserem Boot sitzen. Als dann aber die Sonne einen Weg durch die Schwaden des Morgennebels über dem Fluss findet sind wir hellwach und genießen eine beinahe mystische Stimmung auf dem Wasser.

Morgenstimmung am Kinabatangan

Nebenarm Kinabatangan

Vom Ufer klingen die Rufe der Makaken und Nasenaffen und über uns schweben verschiedene Arten von Nashornvögeln. Als wir dann in einen engen Nebenarm des Kinabatangan eingebogen sind, ist uns das Glück wieder hold!

In den Wipfeln der Urwaldriesen besorgt sich ein Orang-Utan-Paar gerade sein Frühstück aus Früchten des Dschungels. Orang Utans in freier Wildbahn, was für ein seltenes Erlebnis!

Ein quer auf dem Wasser liegender Baumstamm scheint unserer Erkundungstour nun ein Ende zu bereiten. Die Ranger finden aber schließlich einen Weg, uns daran vorbei zu manövrieren. Jetzt gleiten wir mit Elektro-Antrieb fast geräuschlos über den „Kelananap Oxbow Lake“, einem vom Flusslauf abgeschnürten Mäander des Kinabatangan. Auch ohne Krokodilsichtung ist die Tour ein Erlebnis, denn die Dschungellandschaft am Ufer und die leuchtenden Farben der Eisvögel lassen uns Krokodile schnell vergessen.

Kelananap Oxbow Lake

Zurück in der Lodge haben wir nun Appetit auf ein herzhaftes Frühstück. Also geht es vom Boot direkt zur „Eierbratstation“ Egg Station und zum Buffet in der Lodge!

Egg Station Buffet

Fruehstueck Lodge

Den Rest des Tages verbringen wir bei einem kleinen Informationsvortrag, einem Rundgang über den Naturlehrpfad der Lodge und einer weiteren Bootssafari, bei der wir zahllose Makaken, Warane und die Nasenaffen Borneos beobachten können. Auch für eine Abkühlung im Pool und für ein Lesestündchen in der gemütlichen Lounge bleibt Zeit.

Was wir gern noch erwähnen möchten, ist der Umstand, dass die Zeit hier am Kinabatangan viel weniger schweißtreibend ist, als wir erwartet bzw. befürchtet hatten. Dem angenehmen Fahrtwind bei den Bootssafaris und der nächtlichen Kühle des Dschungels sei Dank!

Am nächsten Morgen reisen wir – wieder mit dem Schnellboot – zurück nach Sandakan. Für unsere Zwischenübernachtung haben wir uns das neu eröffnete „Four Points by Sheraton“ ausgesucht, das direkt an der Wasserfront und mitten im Markt- und Geschäftsviertel der Stadt liegt. Wegen seiner Lage und den tollen Zimmern können wir das Hotel absolut empfehlen. Den wegen Bauarbeiten geschlossenen Swimmingpool haben wir bei nur einer Übernachtung locker verschmerzt.

Sandakan Blick vom Four Points

Nach den Hotelinspektionen bleiben uns der spätere Nachmittag und der Abend für Unternehmungen in Sandakan. Wir genießen ein kühles Bier an der Sandakan Waterfront, bummeln über die Jalan Pryer und besuchen den Zentralmarkt „Pasar Sandakan“. Unserer Meinung nach reicht für die City von Sandakan übrigens ein halber Tag Aufenthaltszeit aus, wenn man nicht ganz speziellen Interessen nachgehen will.

Morgen fliegen wir über Kota Kinabalu und Miri in den Mulu-Nationalpark und werden damit den malaysischen Bundesstaat Sabah verlassen. Davon aber später mehr in meinen Berichten von der Rundreise durch Sarawak Borneo und von Kuching.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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Jörg Günther

Für EAST ASIA TOURS bin ich oft in Thailand, Malaysia, Singapur und auf den Philippinen unterwegs. Als gelernter Sinologe erinnere ich mich auch noch immer besonders gern an meine ersten Reisen mit EAT-Kleingruppen nach China, Tibet und Hongkong zu Beginn der 1990-er Jahre. Der Blick von der Sky Bar des Lebua auf Bangkok, die Abenddämmerung an der Shwedagon-Pagode Yangons, Borneo-Zwergelefanten am Ufer des Kinabatangan und Schnorcheln im El-Nido-Archipel sind andere unvergessliche Reiseerinnerungen.

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