Reisen auf Borneo: Der heilige Berg Sabahs und Nasenaffen am Fluss (Teil 1)

Borneo Reise Teil 1

Noch ein Reisebericht zu Borneo, obwohl doch schon viele Borneo-Reisen in Blogs, Artikeln oder auch Reiseführern zu Borneo verewigt wurden? Nun, ich meine, dass die Reisereflektionen von Besuchern der riesigen Insel so vielfältig sein mögen wie Borneo selbst es ist. Und also schreibe ich…

Natürlich wussten wir, dass Sabahs Bundeshauptstadt Kota Kinabalu einen internationalen Flughafen hat. Mit solch einem modernen Terminal von erstaunlichen Ausmaßen hatten wir bei unserer Ankunft hier auf der „Urwaldinsel“ Borneo dann aber doch nicht gerechnet! Beim Blick vom Terminal 1 zur anderen Seite der Start- und Landebahn sehen wir jetzt im Juni noch die Maschinen der Low Cost Carrier am hell erleuchteten Terminal 2 stehen. Das ist seit dem 1. Dezember 2015 aber Geschichte, denn seitdem nutzen ausnahmslos alle Fluggesellschaften das komfortable Terminal 1.

Grandis Hotel (links) mit Suria Sabah Shopping Mall

Reiseleiterin Talia und unser Fahrer Kamil erwarten uns schon am Ausgang und die knapp 10 Kilometer Fahrt bis zum „Grandis Hotel“ im Zentrum Kota Kinabalus sind jetzt am Abend in 15 Minuten geschafft. Es ist nach 20.00 Uhr Ortszeit und wir sind nun inklusive der Zwischenstopps in Doha und Kuala Lumpur seit mehr als 24 Stunden unterwegs. Unser Unternehmungsgeist hält sich momentan also stark in Grenzen! Für ein gemütliches Dinner bei Mondschein und Meerblick und mit „Tiger Beer“ auf der Dachterrasse des modernen Hotels „Grandis“ reicht die Kondition aber allemal noch.

Nein, Talias bunte Strickmütze von gestern war keine Eintagsfliege, sondern leuchtet auch am heutigen Morgen schon in der Hotellobby. Die junge Frau vom Stamm der Kadazan trägt ihre wechselnden Kopfbedeckungen an allen Tagen bei Temperaturen von weit über 30°C mit eiserner Konsequenz! Mr. Kamil ist übrigens ein Bajau, und damit haben wir prompt Vertreter der beiden größten ethnischen Bevölkerungsgruppen Sabahs in unserem Auto.

Von Kota Kinabalu bis zum Besucherzentrum des Kinabalu-Nationalparks benötigen wir mit unserem komfortablen Van etwa 2 Stunden auf kurvenreicher, aber gut ausgebauter Strecke. Beim Toilettenstopp an einem kleinen Obst-, Gemüse- und Souvenirmarkt können wir erste Ausblicke auf den höchsten Berg Südostasiens, den 4.095 Meter hohen Mount Kinabalu, genießen. Während Elke und ich diesen Anblick als einen für uns neuen Eindruck abspeichern, gibt es aufgeregte Diskussionen zwischen Talia und Kamil. Grund dafür ist, dass sich das Antlitz des Berges nach Aussage der beiden seit ihrem letzten Besuch stark verändert hat. Erdrutsche und Gerölllawinen als Folgen des schweren Erdbebens vor zwei Wochen (05.06.2015) haben viele Wunden und tiefe Schneisen in die Wälder der Berghänge geschlagen, die für Kenner des als heilig verehrten Berges schon von weitem deutlich zu sehen sind.

Elke mit Talia und Kamil vor Mt. Kinabalu Panorama

Vom Besucherzentrum am Fuße des Mt. Kinabalu aus machen wir einen Spaziergang durch den „Mountain Garden“, der seltene Orchideen und einen guten Überblick über die Pflanzenwelt der Region bietet. Es folgt eine Wanderung durch den Gebirgsregenwald. Auch wenn es hier auf rund 1.500 Meter Höhe für tropische Verhältnisse schon beinahe kühl ist, kommen wir schnell ins Schwitzen. Dennoch sind wir uns einig, dass die Wanderung auf dieser Route für Gäste mit normaler körperlicher Konstitution keine große Herausforderung darstellt. Sehr froh sind wir aber, dass wir unsere leichten Wanderschuhe mit gutem Profil doch eingepackt haben. Die Wege hier sind steinig und nach dem Regen auf lehmigem Grund auch recht rutschig. Ein Wermutstropfen der Wanderung ist der Umstand, dass der Regenwald beiderseits der Pfade leider kaum einmal den Blick hinauf zum Gipfel des Mt. Kinabalu freigibt. Ist Talia zu schnell voraus und gerät außer Sicht, kommen wir uns im dichten Grün dann schon mal ein wenig „verloren auf Borneo“ vor.

Im „Mountain Garden“ des Kinabalu-Nationalparks

Mit der sicheren Erkenntnis im Gepäck, dass Ausflüge zum Besucherzentrum des Parks (und übrigens auch zum Canopy Walkway und den heißen Quellen Poring Hot Springs) trotz erheblicher Erdbebenschäden in anderen Teilen der Region um den Mt. Kinabalu schon jetzt wieder sicher und ohne große Einschränkungen durchgeführt werden können, fahren wir nach dem Mittagessen im Parkrestaurant und einem Blick auf die verfügbaren Unterkünfte des Besucherzentrums zurück in die Stadt.

Auf zum abendlichen Bummel durch das Stadtzentrum von Kota Kinabalu! Da wir uns vorab ein wenig mit der kurzen Geschichte der jungen „Erdölstadt“ beschäftigt hatten, wissen wir um deren fast komplette Zerstörung im 2. Weltkrieg und erwarten keine großartigen kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten. Und die gibt es auch tatsächlich nicht. Nein, der ideale Ort zum Promenieren auf lauschigen Wegen sind „KK’s“ stark befahrene Straßen zwischen Neubaublöcken auch nicht gerade. Also tun wir es den Einheimischen und den vielen asiatischen Touristen gleich, und spazieren von einem (angenehm klimatisierten) Einkaufszentrum ins nächste, bis wir auf diese Art an der Wasserfront und am Hotel „Hyatt Regency Kota Kinabalu“ angekommen sind. Unser Eindruck ist, dass das „Hyatt“ von allen First-Class-Hotels der Stadt am ehesten ein weltoffenes internationales Flair für sich reklamieren kann. Schon die Lobby mit ihrer gemütlichen Lounge und dem Restaurant „Tanjung Ria“ ist ein Ort zum Wohlfühlen. Wir sind echt froh, dass wir dieses Haus schon seit Elkes erstem Besuch hier Ende der 1990-er Jahre im Programm haben. Es bleibt auch weiterhin unser Tipp für eine gehobene Unterkunft mit Flair im Stadtzentrum.

Prawns in Kokosmilch-Curry-Creme… Lecker!

500 Meter weiter werfen wir am kleinen „City Park“ einen Blick ins „Horizon Hotel“, nicht ohne uns vorher herzlich über die animierten Ampelmännchen der Fußgängerampeln zu amüsieren, die vom gemütlichen Gehen in hektische Laufbewegungen verfallen, sobald die Rotphase naht. Zum Glück lassen wir uns vom wenig einladenden Ambiente des China-Restaurants im Mittelklasse-Hotel „Horizon“ nicht abschrecken und können hier nun äußerst delikate Riesengarnelen in einer Kokosmilch-Curry-Creme und andere Köstlichkeiten genießen.

Frühstück im „Hotel Grandis“ (Landeskategorie 4 Sterne). Das reichhaltige Buffet lässt schnell erkennen, dass die Gäste des Hauses – wie übrigens generell der Region Kota Kinabalu – vorwiegend aus Ostasien (China, Korea, Taiwan) und Südostasien selbst kommen. Uns soll’s recht sein, genießen wir hier in Asien doch ohnehin lieber unsere Reis- oder frische Nudelsuppe, Dim Sum, Sushi und frisches Obst anstelle von Toast mit Marmelade zum Frühstück. Aber keine Angst, man bekommt hier auch etwas Wurst- und Käseaufschnitt, Toast, verschiedene Brotsorten und Gebäck sowie viele warme Speisen.

Beim Frühstück im Grandis Hotel

Das „Grandis“ liegt direkt am Meer und ist Teil der großen „Suria Sabah Shopping Mall“ im nördlichen Teil des Stadtzentrums. Nur einen Neubaublock (noch im Bau) weiter nördlich befindet sich das Fährterminal „Jesselton Point“, wo wir uns heute nach dem Frühstück mit Talia treffen.

Das Fährboot des „Gaya Island Resort“ benötigt nicht einmal 15 Minuten von Jesselton Point bis zum Resort auf Gaya.

Wenngleich die Skyline Kota Kinabalus immer noch deutlich erkennbar hinter uns liegt, scheinen wir mit dem Steg des Bootsanlegers des „Gaya Island Resort“ eine andere Welt betreten zu haben. Sanftes Wellenrauschen am Sandstrand und die Geräusche des Dschungels bieten die Kulisse für die Luxus-Hotelanlage.

Gaya Island Resort: Tavajun Bay

Exklusive Villen und Restaurants, zwei schöne Hotelstrände und gute Tauch- und Schnorchelreviere im Umfeld machen Gaya zum beliebten Ziel anspruchsvoller Gäste, das allerdings auch seinen (stolzen) Preis hat.

Beim Mittagessen in einem Strandrestaurant des Resorts in der abgeschiedenen Tavajun Bay bekommen wir übrigens Besuch von zwei Wildschweinen. Das Restaurantpersonal beeindruckt das aber überhaupt nicht und man straft die Besucher mit totaler Ignoranz. Auch Talia rückt nur kurz ihre Strickmütze gerade… und isst weiter. Das tun wir denn auch.

Blick zum Gaya Island Resort

Auf die Tour am heutigen Nachmittag/Abend freuen wir uns schon lange, denn die Berichte unserer Kunden über den Ausflug „Die ‚Feuerfliegen’ von Beaufort“ haben uns neugierig gemacht! Schnell noch Trekking-Hemd und -bluse – beides neu angeschafft und mit integrierter Insektenschutzfunktion – sowie einige chemische Keulen gegen Moskitos eingepackt, dann fährt uns Kamil etwa 2 Stunden in Richtung Südwesten. Hier bei Beaufort befinden sich die „Klias Wetlands“, ein weitläufiges Mangrovengebiet an den Ufern des Klias River. Nach der Fahrt erwarten uns im rustikalen Open-air-Restaurant am Fluss erst einmal Kaffee, Snacks… und die obligatorischen Schwimmwesten.

Beaufort: Bootsfahrt auf dem Klias River

Dann geht es aufs Boot und wir gleiten sanft flussaufwärts. Noch ist es zu hell, um Glühwürmchen zu beobachten. Wir haben aber Glück und können viele Makaken am Ufer sehen, was uns die Zeit bis zur Dämmerung schnell vertreibt. Als dann auch noch mehrfach Gruppen der berühmten Nasenaffen Borneos gesichtet werden, die in den Bäumen am Ufer auf Nahrungssuche sind, geraten die „Feuerfliegen“ schon fast zu Nebendarstellern der Tour.

Beaufort: Bootsfahrt auf dem Klias River

Aber nun dämmert es und wir können die Nasenaffen schon bald nur noch hören, während sich die „Feuerfliegen“ nun deutlich sichtbar präsentieren. Wir lernen, dass die hiesigen Leuchtkäfer kein Dauerlicht aussenden, sondern blinken. Sie tummeln sich bevorzugt in Massen an ganz bestimmten Sträuchern und Bäumen, die dann den Eindruck eines hochfrequent blinkenden Weihnachtsbaumes vermitteln.

Den Erfolg dieses Ausflugs macht nun auch noch ein fast schon kitschig schöner Sonnenuntergang auf der Rückfahrt zum Restaurant perfekt.

Dort erwartet uns bei völliger Dunkelheit noch ein Buffet-Dinner vor der Rückfahrt nach „KK“. Ach ja: Keine Mückenstiche, nicht mal einer!

Sonnenuntergang in den Klias Wetlands

Mit dieser tollen Tour soll hier auch der erste Teilbericht von unserer Borneo Rundreise 2015 enden. Im nächsten Teil bleiben wir noch im malaysischen Bundesstaat Sabah, aber dann geht es auf die „Schildkröteninsel Selingan“ vor Sandakan und in den Dschungel am Kinabatangan River. Bis bald!

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Jörg Günther

Für EAST ASIA TOURS bin ich oft in Thailand, Malaysia, Singapur und auf den Philippinen unterwegs. Als gelernter Sinologe erinnere ich mich auch noch immer besonders gern an meine ersten Reisen mit EAT-Kleingruppen nach China, Tibet und Hongkong zu Beginn der 1990-er Jahre. Der Blick von der Sky Bar des Lebua auf Bangkok, die Abenddämmerung an der Shwedagon-Pagode Yangons, Borneo-Zwergelefanten am Ufer des Kinabatangan und Schnorcheln im El-Nido-Archipel sind andere unvergessliche Reiseerinnerungen.

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