Kambodscha: Ein Wochenende in Battambang

Wat Phnom Ek

Wir starten gegen 07:00 Uhr in Phnom Penh. Unser Ziel ist Battambang, etwa 290 Kilometer nordwestlich von der Hauptstadt gelegen. Im Gegensatz zu Angkor steckt der Tourismus in der Provinzstadt mit französischer Kolonialarchitektur noch in den Kinderschuhen. Aber das war uns nur recht! Wir hatten viel Gutes und Interessantes gehört und gelesen. Um es vorweg zu nehmen: Unsere Erwartungen wurden übertroffen, Battambamg ist eine Reise wert! Die Stadt und die tropische Bilderbuchlandschaft ziehen zunehmend Besucher aus aller Welt an.

Die Straße ist gut ausgebaut, aber man braucht doch mindestens 6 Stunden reine Fahrzeit. Stopps in einer Silberschmiede und einem Töpferdorf ermöglichen erste Kontakte mit den örtlichen Bewohnern und vermitteln Eindrücke von der handwerklichen Arbeit. Wer etwas mehr Zeit hat, sollte außerdem einen kurzen Abstecher nach Oudong (oder Udong) machen, etwa 40 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Phnom Penh auf einem Hügel gelegen, den man schon von weitem gut sehen kann. Vom frühen 17. Jahrhundert bis 1866 wurden die Staatsgeschäfte Kambodschas von hier aus gelenkt. Heute sind die beeindruckenden Ruinen mit den Ascheüberresten von früheren Khmerkönigen ein beliebtes Pilgerziel.

Am späten Nachmittag kommen wir in unserem Hotel an. Das „Au Cabaret Vert“ – Liebe auf den ersten Blick! – ist ein kleines Boutique-Hotel mit 6 Bungalows und einem Naturpool. Das offene Restaurant bietet Khmer und französische Küche. Eine Oase der Ruhe im Herzen der alten Kolonialstadt Battambang. Zum Abendessen treffen wir unseren jungen Reiseführer, Herrn Chea, zur Programmbesprechung für den nächsten Tag. Er ist für alle unsere Sonderwünsche offen. Wir haben gleich ein gutes Gefühl und nehmen noch einen Drink im Restaurant.

Der neue Tag beginnt mit einer kurzen Fahrt zum Zentralmarkt, der in den 1930-er Jahren von den Franzosen im Art-deco-Stil errichtet wurde. Gleich daneben besichtigen wir den Wat Piphit. Der Haupttempel der Stadt wurde 1888 gegründet und 1993 aufwendig restauriert. Auf dem Weg zum Tempel Phnom Ek hält unser Tuk Tuk bei einer Familie, die auf die Produktion von Reispapier spezialisiert ist. Mutter und Tochter produzieren pro Tag bis zu 2000 Reisfladen für die Zubereitung der beliebten Frühlingsrollen. Die Ruinen des Wat Phnom Ek sind beeindruckend. Der Angkor-Stil ist noch erkennbar.

Danach besuchen wir weitere Familienbetriebe. Jetzt können wir uns eine ungefähre Vorstellung machen, wie Reisschnaps, Fischpaste und Klebreis im Bambusrohr hergestellt werden. Am Sangker-Fluss beobachten wir die zahlreichen Fischer. Schließlich halten wir kurz in einem kleinen Weingut. Die Besitzerin hat sich in Frankreich umgesehen und produziert seit einigen Jahren Ihren eigenen Wein. Ganz ehrlich: Die Kostprobe ist sehr ernüchternd und unsere Kaufabsichten begraben wir schnell.

Bevor wir zum Mittagessen fahren, ein weiterer Höhepunkt unseres Besichtigungsprogramms: die Fahrt mit dem Bamboo Train. Wir hatten schon viel gehört, konnten uns aber keine rechte Vorstellung machen. Also, eine geniale Erfindung für den örtlichen Personen-und Gütertransport: eine Bambusplatte auf zwei Achsen mit je 2 Rädern. Darauf können 4 Personen sitzen. Der Dieselmotor kann bis auf 20 bis 30 km/h beschleunigen je nach Zustand der krummen Schienen und der „Löcher“ zwischen den Schienen. Alles rein funktional, für den Komfort sorgt lediglich eine Bastmatte. Nach ca. 40 Minuten freut man sich dann auch wieder, am Ausgangspunkt wohlbehalten angekommen zu sein.

Zum Mittag gibt es wieder unser geliebtes Fisch Amok: Fisch, gekocht in Kokosmilch mit einer speziellen Gewürzmischung und frischen Kräutern. Dazu ein Bier Lao. Einfach genial! Eigentlich nicht die richtige Vorbereitung für die steilen Stufen auf den 100 Meter hohen Hügel zum Wat Banan hinauf.

Langsam wird die Zeit knapp. Wir haben noch eine längere Fahrt über holprige Feldwege vor uns. Für die steile Auffahrt zum Phnom Sampeou (154 Meter hoch) müssen wir auf ein Auto umsteigen. Von oben hat man einen fantastischen Ausblick. Für die Besichtigung der Höhlen und Tempel haben wir nicht mehr genügend Zeit. Wir wollen unbedingt den Auszug der Millionen Fledermäuse gegen 18:30 Uhr bei beginnender Dunkelheit nicht verpassen! Rechtzeitig wieder auf ebener Erde, gesellen wir uns zu den Hunderten Schaulustigen. Das Spektakel beginnt auch sehr pünktlich und ist sehr beeindruckend. Minutenlang machen sich die nachtaktiven Tiere auf ihre bis zu 100 Kilometer langen Beutezüge.

Gegen 19:00 Uhr machen wir uns auf den Heimweg. Unser Tuk Tuk nimmt Fahrt auf, und die 25 Kilometer bis zum Hotel sind schneller geschafft als gedacht. Ein wunderschöner Tag findet sein Ende im Pool und mit einem „Ginger Mojito“!

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Dr. Bernd Jordan

Für EAT erkunde ich am liebsten neue Reiseziele. In jüngster Zeit haben mich besonders die wilde Gebirgslandschaft im Norden von Laos, in Myanmar das Tempelfeld von Mrauk U und die Region südlich von Yangon beeindruckt. Großes Potenzial für alle Entdecker haben die Regionen Mondulkiri und Rattanakiri in Kambodscha. Wer von Phnom Penh nach Angkor will, sollte unbedingt den Landweg über Battambang wählen und von dort mit dem Boot über den Tonle Sap schippern. Hier findet man zwischen zwei touristischen Hotspots noch das ursprüngliche Asien und seine liebenswerten Menschen.

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