Indien: Auf den Spuren der Kolonialvergangenheit

Victoria Memorial Kalkutta

Indien blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Die Kolonialzeit, so zweischneidig das Schwert gewesen sein mag, hat das Land, seine Kultur und seine Architektur bis in die heutige Zeit hinein geprägt. Das Britische Empire ist an vielen Ecken immer noch spürbar, nicht nur weil manch indische Stadt in den Köpfen vieler Menschen zwei Namen hat.

Wir haben uns für Sie auf die Spuren der indischen Kolonialvergangenheit gemacht, die übrigens vor den Briten schon durch die Portugiesen ins Rollen gebracht wurde, und stellen Ihnen drei Städte und ihre kolonialen Sehenswürdigkeiten näher vor.

Mumbai: Die Wiege der Kolonisation

Mumbai hieß bis 1996 offiziell Bombay und ist die wichtigste Hafenstadt Indiens. Zur Kolonialzeit war die Lage der Stadt direkt am Arabischen Meer von besonders großer Bedeutung. Im 16. Jahrhundert erreichten portugiesische Seefahrer die Region und ließen sich in der Bom Bahia, der guten Bucht, nieder. Nach der Seeschlacht von Suvali im 17. Jahrhundert übernahmen die Briten die Herrschaft über das besiedelte Land, anglisierten den Namen Bom Bahia zu Bombay und kolonialisierten von hier aus den indischen Subkontinent.

Das Wahrzeichen von Mumbai ist das berühmte Gateway of India. Es wurde 1924 zur Erinnerung an den Besuch von King George V. errichtet und diente als prächtiger Landungspunkt für ankommende Passagierschiffe.

Gateway Of India

Fast schon ironisch wählten die Briten genau diesen Triumphbogen, um nach dem Ende der Kolonialzeit im Februar 1948 Indien zu verlassen.

Das Taj Mahal Palace ist ein Luxushotel, das 1903 eröffnet wurde und heute zu den „Leading Hotels of the World“ zählt. Der Altbau des Hotels vereint viktorianische und arabische Einflüsse gleichermaßen und besticht durch die unverkennbare Kuppel in der Mitte.

Der Rajabai Tower ist ein 85 Meter hoher Glockenturm, im viktorianischen Stil erbaut und 1887 fertiggestellt.

Zu Kolonialzeiten spielte er Lieder wie „Rule, Britannia!“ oder „God Save The King/Queen“. Seit der indischen Unabhängigkeit erklingt nur noch alle viertel Stunde der Schlag der Glocke. Fast schon etwas schade!

Rajabai Tower in Mumbai

Der Chhatrapati Shivaji Terminus hieß bis 1996 Victoria Terminus, für uns Europäer wesentlich einfacher auszusprechen. Der Bahnhof ist einer der größten und verkehrsreichsten Bahnhöfe der Welt und seit 2004 UNESCO-Weltkulturerbe. Zu Recht, denn das Bahnhofgebäude, das Ähnlichkeiten mit der Londoner St. Pancras Station aufweist, ist ein wahres Meisterwerk der Architektur. Das neugotische Deckengewölbe der Schalterhalle, die 200 bis 700 Meter langen Bahnsteige mit Glasdächern und die 100 Meter hohe, begehbare Kuppel über dem Haupteingang lassen die Besucher nicht aus dem Staunen kommen.

Chhatrapati Shivaji Terminus

Neu-Delhi: Eine Stadt vom kolonialen Reißbrett

Neu-Delhi ist sozusagen der „Neubau“ der altindischen Metropole Delhi. Während der Kolonialzeit und auf Geheiß von King George V. wurde Neu-Delhi geplant und gebaut, um Kalkutta als (strategisch ungünstig gewordene) Hauptstadt abzulösen.

Das Stadtbild hebt sich aufgrund der penibel geplanten Geografie und der dominierenden Kolonialarchitektur stark von anderen indischen Metropolen ab. Als bedeutsame Planstadt steht Neu-Delhi somit in einer Reihe mit Städten wie Brasilia, Sankt Petersburg und Washington D.C.

Eines der berühmtesten Bauwerke ist das All India War Memorial, oftmals auch nur India Gate genannt, das an 90.000 indische Soldaten erinnert, die im Ersten Weltkrieg für Großbritannien ihr Leben ließen. Der Triumphbogen wurde im Jahr 1921 nach dem Vorbild des Arc deTriomphe in Paris entworfen.

India Gate in Neu-Delhi

Weitere kolonialarchitektonische Highlights sind Rashtrapati Bhavan, Amtssitz und Residenz des indischen Präsidenten, die große königliche Promenade Rajpath sowie das Parlamentsgebäude Sansad Bhavan.

Rashtrapati Bhavan, Amtssitz und Residenz des indischen Präsidenten

Kalkutta: Von Handelshauptstadt zu Kulturhauptstadt

Im 17. Jahrhundert wurde in Kalkutta der Stützpunkt der „British East India Company“ gegründet, jener monopolistischen Handelsgesellschaft, die den Exporthandel nach Europa verwaltete. Mit der Eröffnung des Suezkanals 1898 schwand die Bedeutung der Stadt als Handelsmetropole und 1911 verlor Kalkutta schließlich auch den Status als Hauptstadt.

Zahlreiche Verwaltungsgebäude, Villen, Grünanlagen und Denkmäler britischer Gouverneure erinnern noch immer an die Präsenz des britischen Empires. Das Victoria Memorial aus weißem Marmor aber ist der schönste Kolonialbau der Stadt. Es wurde 1921, 20 Jahre nach dem Tod der populären Königin und Namensgeberin sowie 10 Jahre nach Entzug des Hauptstadtstatus, fertiggestellt.

Victoria Memorial in Kalkutta

Das Memorial beherbergt ein Museum mit rund 30.000 Exponaten und ist umgeben von einer 260.000 Quadratmeter großen Gartenanlage mit Grün- und Wasserflächen.

Kalkutta, die siebtgrößte Stadt Indiens, gilt heutzutage als Kulturhauptstadt des Landes. International berühmt ist vor allem die lebendige Theaterszene der Stadt.

Natürlich nehmen wir Sie gerne mit auf die Spuren der Kolonialvergangenheit Indiens. HIER finden Sie eine Übersicht all unserer Reisebausteine und Ausflüge des indischen Subkontinents.

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Dr. Birgit Peschke

Ja, Korea gilt meine Liebe, aber auch an Japan habe ich einen Narren gefressen! In den Neunzigern war ich fast ausschließlich mit Chinareisen zugange, bis der große Einschnitt im Jahre 2003 in Gestalt der Sars-Epidemie die Reisewelle ins Land der Mitte unterbrach. Auf einmal hatten wir viel Zeit, die ich u.a. wieder für Reisen nutzte. Hongkong, Taiwan, Thailand – und Indien standen auf dem Programm. Seitdem haben wir Indien in unserem Portfolio. Unvergessen die ekstatischen Feiern zur Kumbh Mela in Haridwar im April 2010. Aber auch der Besuch im Goldenen Tempel in Amritsar im Oktober 2015 hat mich tief beeindruckt…

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