Die schönste Berglandschaft Chinas: Impressionen aus den Gelben Bergen

Chinas Gelbe Berge

China ist reich an spektakulären Berglandschaften. Aber jeder Chinese träumt vom „Huangshan“, dem Synonym für „chinesische Landschaft“ schlechthin. Dort gewesen zu sein, adelt jeden Reisenden. Neben bizarren Felsformationen mit knorrigen Pinien lässt sich meist auch ein Wolkenmeer bewundern, auf dem die 72 Gipfel der „Gelben Berge“ scheinbar schweben. Die insgesamt 1200 km² große Region, in deren Zentrum sich ein 154 km² großer, geschützter Landschaftspark befindet, liegt im äußersten Südosten der Provinz Anhui, eine knappe Flugstunde von Shanghai entfernt.

Das Gebirge mit seiner höchsten Erhebung, dem „Lotusblumen-Gipfel“ (1864 m), wurde nach dem mythischen „Gelben Kaiser“ benannt und gehört seit 1990 zum Welterbe der UNESCO.

Das Gebirge Huangshan

Wir erfüllen uns den langgehegten Traum in den letzten Oktobertagen. Es ist Wochenende und eigentlich kein guter Tag für die Anreise. Sehr viele Leute sind unterwegs. Noch voller wird es in den Ferienmonaten Juli und August sowie in der arbeitsfreien Woche rund um die öffentliche Feiertage 1. Mai und 1. Oktober. In dieser Zeit kommt es auf den Treppen zu regelrechten Staus. Es bilden sich lange Schlangen vor den Seilbahnstationen, und ein ruhiges Plätzchen sucht man vergebens.

Der Wetterbericht hat uns vorgewarnt: Wir müssen mit Regen, Wolken und nur vereinzelt Sonne rechnen. Eine schnell wechselnde Wetterlage ist typisch für das Gebirge. Wir haben insgesamt 2 Übernachtungen in der Gipfelregion gebucht und uns gegen die Hardcore-Variante des Aufstiegs (10 bis 12 Stunden) entschieden. Mit dem Bus fahren wir bis zur Seilbahnstation am „Kloster der Wolkenschlucht“ (Yun Gu Si) auf ungefähr 900 Meter Höhe. Gondeln einer österreichischen Seilbahn bringen uns in sehr kurzer Zeit gut 600 Höhenmeter weiter nach oben.

Auf dem Weg zum Hotel

Von dort geht es per pedes immer auf und ab zu unserem Hotel. Für die gut 2 km lange Strecke nehmen wir uns Zeit. Gegen Mittag erreichen wir nach etwa 1,5 Sunden Fußweg unser Hotel „Paiyunlou“ ( „Hotel zum Ordnen der Wolken“). Für uns ist es der ideale Ausgangspunkt für erste kurze Erkundungsspaziergänge in der Umgebung und die geplante Rundwanderung am nächsten Tag. Das Hotel bietet Drei-Sterne-Komfort und in den oberen Etagen eine herrliche Aussicht. Die sauberen, beheizten Doppelzimmer sind teilweise mit Badewanne oder mit Dusche ausgestattet. Die wenigen Gipfel-Hotels müssen durch Träger mühevoll mit Lebensmitteln und anderen Waren versorgt werden. Wie überall auf der Welt erreichen die Preise für Unterkunft und Essen hier Spitzenniveau.

Wolkenverhangene Gipfel

Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Weg. Über den „Pavillon zum Ordnen der Wolken“ geht es langsam ca. 1 km leicht bergan. Der Regen hat mittlerweile fast aufgehört. Die Sonne ist zwar noch nicht zu sehen, aber der aufkommende Wind bringt die Wolken in Bewegung.

Wir kommen zu unseren ersten spektakulären Bildern und können schlagartig verstehen, dass schon seit Jahrhunderten die wolkenverhangenen Gipfel die Vorstellungskraft der Dichter und Maler inspirierten.

Am Pavillon zum Ordnen der Wolken

Zufrieden mit dem ersten Tag gehen wir früh zu Bett. Obwohl wir nur kurze Strecken gegangen sind, das ständige Auf und Ab auf den Treppen kostet viel Kraft. Morgen wollen wir in den „Westmeer-Canyon“ ungefähr 300 Höhenmeter absteigen. Schon jetzt haben wir uns entschieden, vom Grund des Canyons mit der Schweizer Standbahn zum „Hotel zu den Weißen Wolken“ auf 1690 Meter Höhe zu fahren. Von hier geht es wieder zu Fuß steil bergauf zur „Strahlenden Spitze“ (Guangming Ding, 1860 Meter). Vom Gipfel bis zu unserem Hotel sind es dann nur noch 3 Kilometer bergab. So unser Plan!

Der Westmeer Canyon

Am nächsten Morgen hat der Regen aufgehört. Das Schauspiel eines grandiosen Sonnenaufgangs bleibt uns versagt. Die Wolkendecke ist noch zu dicht. Aber die Fernsicht ist viel besser als gestern. Dafür sind die Bilder vom Wolkenmeer nicht so spektakulär. Aber wir wissen mittlerweile, das kann sich sehr schnell ändern. Je weiter wir gehen, umso mehr öffnen sich atemberaubende Einblicke in den Canyon.

Blick in den Westmeer-Canyon

Die Stufen bergab werden enger und steiler, der Touristenstrom immer dichter. Wir sind froh, wenn wir etwas Platz zum Verweilen ergattern. Nach vielen Biegungen sehen wir nach ca. 2 Stunden die Bahnstation am Grund des Canyons. Die letzten Stufen nach unten werden im wahrsten Sinn des Wortes zur Zitterpartie. Der Gedanke, den Weg nach oben eventuell doch über Treppen zu bewältigen, erscheint uns jetzt mehr als abwegig.

Abstieg in den Westmeer-Canyon

Obwohl viele Leute im Canyon unterwegs sind, gibt es keine langen Wartezeiten beim Ticketkauf. Alles ist perfekt organisiert. Die kurze Fahrt auf die Bergstation bietet eine willkommene Verschnaufpause. Oben angekommen, stärken wir uns mit Obst und „Baozi“ (gedämpfter Kloß mit Fleischfüllung).

Der Fels „Fei Lai Shi“

Die nächste kurze Wegstrecke zum „Hotel zu den weißen Wolken“ ist sehr angenehm, da breit, ohne Treppen und eben. Jetzt liegt nur noch ein Anstieg vor uns. Der ist zwar kurz, dafür aber „giftig“. Nicht nur wir schnaufen, auch vielen jungen Chinesen scheint die Puste ausgegangen zu sein. Es ist ungewöhnlich still auf dem Weg zur „Strahlenden Spitze“. Die Mühen des Aufstiegs werden durch einen Rundumblick belohnt. Die höchsten Gipfel des Gebirges scheinen zum Greifen nah. Unser „Heimweg“ ist klar auszumachen. In der Ferne ist das nächste Wahrzeichen, der „Von weither geflogene Fels“ (Fei Lai Shi), deutlich zu erkennen.

Fels Fei-Lai-Shi

Dieser massive, rechteckige Felsblock ragt in waghalsiger Pose über dem „Westmeer“ aus Wolken und Berggipfeln steil empor.

Genau am „Fei Lai Shi“ ziehen sich die Wolken wieder zusammen und steigen nach oben. Die nächste perfekte Kulisse für unsere Fotos ist im Entstehen. Gegen 16:00 Uhr sind wir wieder in unserem Hotel. Müde, aber glücklich. Unsere Erwartungen haben sich mehr als erfüllt.

Blick vom Fei-Lai-Shi zurück zum Hotel

Das alte Dorf Hongcun

Am nächsten Morgen auf dem Weg nach unten zum Frühstücksraum spüren wir schon den heftigen Muskelkater, der uns die nächsten Tage begleiten wird. Den Weg zur Seilbahnstation gehen wir wieder bei leichtem Nieselregen. Mit dem Bus geht es nach unten. Unser Auto wartet schon, wir holen unser großes Gepäck, das wir für die Tage in einem Hotel eingelagert hatten. Bis zur Abfahrt unseres Zuges zum Wuyi-Gebirge haben wir noch Zeit für den Besuch eines wunderschönen alten Dorfes im Kreis Yi. Der Name des Kreises geht auf die im Altertum gebräuchliche Bezeichnung „Yishan“ („Schwarze Berge“) für den „Huangshan“ zurück.

Dorf Hongcun Zugang über Bogenbrücke

Hier in Hongcun sind noch viele Häuser aus der Ming- (1368 – 1644) und Qing-Zeit (1644 – 1911) sehr gut erhalten. Aus der Vogelperspektive sieht das Dorf wie ein schlafender Ochse aus. Schon der Eingang zum Dorf über eine kleine Bogenbrücke ist sehr idyllisch. In der Mitte des Dorfes liegt ein halbmondförmiger Teich, in dem sich die alten Häuser wunderbar spiegeln. Es gibt viel Interessantes zu sehen, so dass wir es bedauern, nach gut einer Stunde wieder abfahren zu müssen.

Teich im Dorf Hongcun

Unser Tipp: Planen Sie eine Übernachtung in Hongcun ein. Mittlerweile gibt es hier kleine, gemütliche Hotels!

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Dr. Bernd Jordan

Für EAT erkunde ich am liebsten neue Reiseziele. In jüngster Zeit haben mich besonders die wilde Gebirgslandschaft im Norden von Laos, in Myanmar das Tempelfeld von Mrauk U und die Region südlich von Yangon beeindruckt. Großes Potenzial für alle Entdecker haben die Regionen Mondulkiri und Rattanakiri in Kambodscha. Wer von Phnom Penh nach Angkor will, sollte unbedingt den Landweg über Battambang wählen und von dort mit dem Boot über den Tonle Sap schippern. Hier findet man zwischen zwei touristischen Hotspots noch das ursprüngliche Asien und seine liebenswerten Menschen.

Comments

  1. Ich war letztes Jahr auch dort. Wirklich tolle Landschaft. Wir haben ausserdem noch die Hot Springs am Fuss der Berge besucht.
    Kann ich sehr empfehlen.

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