Reisen auf Borneo: In die Unterwelt Sarawaks und nach Kuching (Teil 3)

Mulu-Nationalpark

Nach einem gemütlichen Frühstück im Hotel „Four Points by Sheraton“ brechen wir zum Flughafen Sandakan auf. Mittags landen wir dann schon in Kota Kinabalu und machen uns im modernen Flughafen gleich auf den Weg zum Gate für unseren Weiterflug nach Mulu. Dabei müssen wir durch die Passkontrolle, um ordnungsgemäß aus Sabah auszureisen.

Uns ist bekannt, dass die Bundesstaaten Sabah und Sarawak auch bei Reisen innerhalb von Malaysia bzw. Borneo jeweils eigene Passkontrollen durchführen. Wie konkret auf dem weiteren Weg nach Mulu (Flugplatz ohne eigene Immigration) jetzt die Einreise nach Sarawak erfolgen soll, ist uns allerdings nicht so recht klar. Aufklärung bringt eine Bordansage unmittelbar nach der Zwischenlandung in Miri. Beim Lärm der Turboprob-Maschine muss man genau hinhören, um mitzubekommen, dass man nun – nur mit Bordkarte und Reisepass ausgerüstet – das Flugzeug verlassen und zur Passkontrolle im Flughafenterminal von Miri eilen muss.

Im Terminal gibt es im Austausch zunächst eine neue Bordkarte für den Weiterflug. Nun geht es den langen Gang vorbei an den Flugsteigen bis ganz ans Ende zur Passkontrolle und wieder zurück. Dann wird unser Flug auch schon wieder zum Boarding freigegeben und wir kehren auf unsere ursprünglichen Sitzplätze in der ATR 72 mit Ziel Mulu zurück. Das ist gewiss eine etwas ungewöhnliche Prozedur, weshalb wir die hier einmal ausführlich für Sie beschreiben. Aber bitte machen Sie sich keine unnötigen Sorgen!

Wie wir beobachten, ist immer schnell Hilfe durch das Bord- und Bodenpersonal zur Stelle, wenn sich westlich aussehende „Langnasen“ mit Reisepass in der Hand fragend umschauen…

Dschungel deluxe im Marriott

14:15 Uhr landen wir auf dem Flugplatz im Mulu-Nationalpark von Sarawak Borneo. Vor den dicht bewaldeten Hügeln und Bergen des Nationalparks im Hintergrund schlendern wir zusammen mit den anderen Passagieren durch die flimmernde Hitze des Rollfeldes zum kleinen Abfertigungsgebäude, um unser Gepäck zu empfangen. Erinnerungen an meinen ersten Besuch vor 11 Jahren werden wach, denn es scheint zunächst, als sei die Zeit stehen geblieben. Bei der Ankunft im Hotel werden dann aber schnell Veränderungen sichtbar.

Mulu-Marriott-Resort

Nach langer Umbau- und Renovierungszeit ist erst wenige Wochen vor unserer Ankunft aus dem „Royal Mulu Resort“ von damals das „Mulu Marriott Resort“ geworden, das – nur 10 Transferminuten vom Flugplatz entfernt – ausgesprochen geschmackvolle und luxuriös ausgestattete 5-Sterne-Zimmer vor einer grandiosen Naturkulisse bietet.

Mulu-Marriott-Resort

Nach dem Einchecken und einer kurzen Programmbesprechung mit unserem Reiseleiter Yohannes bleibt uns nun der Nachmittag zum entspannten Faulenzen am Swimmingpool und für ein Lesestündchen auf der Terrasse unseres Zimmers mit Flussblick. Vor dem Abendessen im „Marriott Café“ reihen wir uns noch ein in die Prozession der Hotelgäste, die mit erhobenem Smartphone den Lobby- und Barbereich auf der Suche nach einer funktionierenden WLAN-Verbindung durchstreifen. Die Online-Glücksmomente bleiben selten, aber deshalb sind wir ja auch nicht hier.

Mulu-Marriott-Resort

Höhlenabenteuer und Insektenfresser

Da wir gestern erst am Nachmittag in Mulu angekommen sind, werden wir heute das gesamte Besichtigungsprogramm unseres Reisebausteins MYY4004 „In die Unterwelt Sarawaks: Mulu-Nationalpark“ absolvieren, das – abhängig von den jeweiligen Flugzeiten der Gäste – meistens auf zwei Tage aufgeteilt wird. Direkt von der Anlegestelle unseres Hotels aus fahren wir mit einem kleinen Langboot den Melinau River flussaufwärts bis zur Nationalparkverwaltung, wo noch ein indisches Ehepaar zusteigt.

Melinau-River im Mulu-Nationalpark

Wieder einmal ist die Bootsfahrt durch dichten Dschungel nicht nur Mittel zum Zweck sondern zweifelsfrei Teil des Tourerlebnisses!

Der Zwischenstopp am kleinen Markt eines Penan-Dorfes ist wenig spektakulär, gibt uns aber das gute Gefühl, mit dem Kauf einiger Souvenirs zum Lebensunterhalt der Dörfler beigetragen zu haben.

Eingang zur Wind-Cave

Über einige Stufen gelangen wir später vom Flussufer hinauf zum Eingang der „Wind Cave“. Nach kurzer Wanderung in der Höhle erreichen wir durch einen schmalen Zugang die bekannte „Königskammer“, deren gewaltige Tropfsteingebilde tatsächlich halten, was die Beschreibungen der Reiseführer versprechen. Vom kühlen Wind, der als natürliche „Klimaanlage“ durch die Höhle wehen soll und ihr den Namen gab, spüren wir hier in der schwülen Hitze allerdings nichts mehr. Stattdessen mache ich mir angesichts beschlagener Linsen Sorgen, ob die Fototechnik dieses Extremklima überstehen wird.

In der Clearwater Cave

Von der „Wind Cave“ führt ein befestigter Pfad weiter zur „Clearwater Cave“. Wir sind allerdings mitnichten unzufrieden damit, dass Yohannes unseren Bootsführer auf uns warten ließ und wir die restliche Strecke per Boot zurücklegen. Wir sind nun an jenem Naturpool angelangt, an dem der Melinau-Fluss nach vielen Kilometern unterirdischen Verlaufs ans Tageslicht tritt. Von hier geht es 200 Stufen steil hinauf zum Eingang der Höhle, die Teil der längsten Höhlenpassage Südostasiens ist. Laut Erkenntnisstand vom März 2015 wird die Gesamtlänge des Clearwater-Systems mit 207 Kilometern angegeben! Als wir nach vielem Auf und Ab in der Höhle zurück sind am Picknick-Platz schaut unser Bootsführer mich und meine Kleidung an und fragt, ob ich etwa schon im Fluss gebadet habe? Nein, habe ich nicht!

Nach dem Mittagessen im Restaurant des Besucherzentrums und einer Besichtigung der verschiedenen Unterbringungsmöglichkeiten auf dem Gelände der Parkverwaltung starten wir gegen 14:30 Uhr zur einstündigen Wanderung auf befestigten Pfaden und Stegen durch ein sumpfiges Dschungelareal zur „Deer Cave“.

Mulu Deer Cave

Diese Höhle ist nicht wegen ihrer Länge, wohl aber wegen der Breite (bis zu 220 Meter) und vor allem Höhe (bis zu 120 Meter) beeindruckend und gilt als größte Höhlenpassage der Welt! Würden wir während der Wanderung durch die Höhle nicht die Berge ihres Kots auf dem Höhlenboden sehen, so könnten wir kaum glauben, dass über uns in der Dunkelheit des Höhlengewölbes Millionen von Fledermäusen hängen und auf die Dämmerung warten. Wir besuchen noch die exotischen Gebilde aus Stalaktiten und Stalagmiten in der nahe gelegenen „Lang’s Cave“ bevor wir schließlich auf einer Art Freilichtbühne mit Blick auf den Eingang der „Deer Cave“ Stellung beziehen…

Wir haben Glück mit dem Wetter und schon vor Einbruch der Dämmerung werden wir Zeugen eines unglaublichen Spektakels! In einem sich windenden und 30 Minuten lang nie abreißenden Band verlassen mehr als 3 Millionen Fledermäuse die Höhle zur abendlichen Jagd. Wenn sie später zur Höhle zurückkehren, wird es hier in der Region 12 Tonnen (!) Insekten weniger geben. Sehr zur Freude von Elke übrigens, die leider zu den bevorzugten Zielobjekten von Moskitos gehört.

Mulu Ausflug Fledermäuse

Zurück an der Parkverwaltung nutzen wir die kurze Wartezeit auf den Shuttle zum Hotel, um uns hier in den preiswerten Restaurants und Garküchen mit einer Grundausstattung an preiswerten Getränken zu versorgen. Leider sind die Preise für Speis und Trank im Marriott fast genau so atemberaubend wie die Landschaft ringsum.

Auf nach Kuching!

Nach einem gemütlichen Abend im Hotel und einem späten Frühstück genießen wir Tags darauf bei unserem Weiterflug nach Kuching – etwa 75 Minuten lang und ganz ohne Passkontrollen, da innerhalb Sarawaks – einen sehr individuellen Service durch MASwings.

Der Flugkapitän nimmt sich die Zeit, jeden Gast persönlich und mit ein paar freundlichen Worten zu begrüßen, bevor er im Cockpit verschwindet. Eine Verspätung provoziert er damit nicht, denn wir sind nur 6 Passagiere an Bord.

Flug Mulu-Kuching

Als wir am 1. Juli um 14.50 Uhr pünktlich in der Hauptstadt Sarawaks landen, werden wir herzlich von Fahrer Poh Heng und Nikki, einer Mitarbeiterin des Büros Sarawak unserer Partneragentur Diethelm Travel Malaysia, empfangen und zum Hilton Kuching gebracht. Uns bleibt noch genügend Zeit für einen gemütlichen Bummel bei Tageslicht an der „Kuching Waterfront“.

Kuching Riverfront

Dann genießen wir einen perfekten Sonnenuntergang mit Blick auf den Sarawak-Fluss von unserem Hotelzimmer aus und machen uns auf den Weg zum „James Brooke Bistro & Cafe“, das nur wenige Schritte vom Hilton und vom Fluss entfernt ist. Auch wenn das „James Brooke“ zur gehobenen Preisklasse bei den örtlichen Restaurants gehören mag, sind die Speisen für europäische Verhältnisse doch ausgesprochen preiswert. Elke bekommt hier endlich eine Curry Laksa (kräftig gewürzte Nudelsuppe), über die sie voll des Lobes ist. Wir empfehlen diese Lokalität hiermit guten Gewissens für einen Sundowner mit Flussblick oder zum Abendessen weiter!

Blick vom Hilton in Kuching

Morgen wird uns Nikki nach dem Frühstück abholen und dann beginnen unsere Besichtigungen und Ausflüge in und um Kuching. Aber davon erzählen wir im abschließenden Teil 4 „Urwaldflüsse, Orang Utans und ein Langhaus der Kopfjäger“ unseres Reiseberichts.

Anmerkung: Bei den Unternehmungen im Mulu-Nationalpark sollten Sie festes Schuhwerk mit gutem Profil tragen und neben ausreichend Trinkwasser eine leuchtstarke Taschenlampe dabei haben.

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Jörg Günther

Für EAST ASIA TOURS bin ich oft in Thailand, Malaysia, Singapur und auf den Philippinen unterwegs. Als gelernter Sinologe erinnere ich mich auch noch immer besonders gern an meine ersten Reisen mit EAT-Kleingruppen nach China, Tibet und Hongkong zu Beginn der 1990-er Jahre. Der Blick von der Sky Bar des Lebua auf Bangkok, die Abenddämmerung an der Shwedagon-Pagode Yangons, Borneo-Zwergelefanten am Ufer des Kinabatangan und Schnorcheln im El-Nido-Archipel sind andere unvergessliche Reiseerinnerungen.

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